Die bunte Welt der Schneekugeln

Schneekugelmanufaktur Wien

Seit über 100 Jahren gibt es in Wien die Original Wiener Schneekugelmanufaktur. Hier werden kleine Traumlandschaften entworfen und hergestellt, die perfekt in die Weihnachtszeit passen. Sabine Perzy, die Urenkelin des Erfinders der Schneekugel, nimmt uns mit auf eine weihnachtlich angehauchte Reise durch die Welt der Schneekugeln. 

Von den Chirurgie-Instrumenten zur Schneekugelmanufaktur

Erwin Perzy I., Urgroßvater von Sabine, war eigentlich Chirurgieinstrumentenmechaniker und hat für Chirurgen in Operationssälen diverse Instrumente hergestellt. Da er auch sonst ein begnadeter Erfinder war, beauftragte man ihn damit, in den Operationssälen die Beleuchtung zu verbessern. Bis dahin waren zunächst unsterile Gasglühlampen für die Beleuchtung zuständig und auch Edisons Glühbirne sorgte noch nicht für ausreichend Licht während Operationen. Er begann daraufhin mit den verschiedensten Sachen zu experimentieren, um das Licht der Glühbirne zu verstärken. 

Mit einer Schusterkugel, also einer mit Wasser gefüllten Glaskugel versuchte er das Licht der Glühbirne zu konzentrieren. Er unternahm verschiedene Versuche das Wasser mit verschiedensten Schwebestoffen zu bestücken. Erst der Grieß, den er zufällig bei seiner Mutter in der Küche fand, erzeugte ausreichend Lichtbrechung. Und das war auch die Geburtsstunde der Schneekugel: Denn der Grieß schwebte ganz langsam auf den Boden der Glaskugel – fast wie Schnee.

Die erste aller Schneekugeln aus dem Hause Perzy war die Basilika von Mariazell. Danach dauerte es noch einige Zeit bis er ausreichend Schneekugeln produzierte, um damit seinen Lebensunterhalt zu bestreiten. Neben der Mariazeller Kirche, waren die anderen ersten Motive ebenfalls christlich geprägt und erst Erwin Perzy II. ergänzte den Christbaum, Santa Klaus und Schneemann im Repertoire der Schneekugeln. Mit diesen neuen Motiven konnte er bei der Spielwarenmesse in Nürnberg ersten Kontakte in die USA knüpfen, womit das Exportgeschäft langsam in die Gänge kam. 

Das streng geheime Rezept des Schnees in der Schneekugel

Heute ist befindet sich natürlich kein Grieß mehr in den Schneekugeln. Woraus genau der Schnee besteht, ist allerdings ein Familiengeheimnis und wird von Generation zu Generation weitergegeben. Auch die Art und Weise, wie die Figuren mit dem Wasser in die Kugeln kommen, ist streng geheim. Was jedoch absolut kein Geheimnis darstellt, ist die Flüssigkeit, die in der Schneekugel enthalten ist. Das ist nämlich ganz reguläres Leitungswasser und so muss man keine Angst haben, wenn die Kugel mal zerbricht: Es ist keine giftige Chemie in der Schneekugel enthalten. 

Was in der Schneekugelmanufaktur allerdings bekannt ist und auch nicht verheimlicht wird, ist, dass Handarbeit auch heute noch großgeschrieben wird. Die Figuren werden von Hand bemalt, die Kugeln händisch befüllt und zusammengeklebt. Nur das Gießen der Kunststofffiguren wird heute von Spritzgussmaschinen übernommen. Früher wurden an dieser Stelle noch Zinnfiguren von Hand gegossen. Das Zinn wurde in eine Gussform gefüllt, die davor aus Metallblöcken herausziseliert wurde. Aber auch heute wird noch so viel wie möglich in der Manufaktur hergestellt. Außer den Glaskugeln und den Verpackungskartons ist die gesamte Produktion im eigenen Haus. 12 Mitarbeiter kümmern sich ganzjährig um die Herstellung von etwa 300.000 Stück der kleinen Traumwelten. 

Außer dem Tod kommt so ziemlich alles in die Schneekugel – sogar Toilettenpapier

Gut die Hälfte der gesamten jährlichen Produktion werden exportiert, davon geht ein sehr großer Teil nach Japan. Vor allem Motive wie der Stephansdom und Wiener Riesenrad kommen bei den Asiaten gut an. In die USA gehen jedoch meistens Sonderanfertigungen.

Neben den üblichen österreichischen Motiven gibt es so ziemlich alles, was man sich vorstellen. Der Standardkatalog umfasst 350 verschiedene Motive mit den 4 Standardgrößen von 25 mm, 45 mm, 80 mm und 120 mm. Warum es schwierig ist, eine Schneekugel zu produzieren, die größer als 350 mm ist und was es mit dem Rekord der größten und kleinsten Schneekugel auf sich hat, könnt ihr in der aktuellen Podcastepisode nachhören.

Seit dem ersten Lockdown der Pandemie gibt es auch ein etwas ungewöhnlicheres Motiv, das es in die Schneekugel geschafft hat. Auch die Schneekugelmanufaktur stand nämlich während der Pandemie still – zum ersten Mal in der Geschichte der Firma. Sabine fand die Toilettenpapier-Hamsterkäufe, die zu dieser Zeit stattfanden, für wenig klug und ihre Kreativität hatte eine Antwort parat: Eine Toilettenpapier-Schneekugel. Nach einer Erwähnung im Fernsehen, trudelten bei ihr an einem Tag so viele Bestellungen ein wie normalerweise im ganzen Jahr.

Auf Wunsch wird in der Manufaktur auch fast jedes Motiv hergestellt, nur bei makabren Sachen ist hier Schluss. Die Schneekugel ist schließlich eine in sich geschlossene kleine heile Welt und Tod oder Gewalt haben darin nichts verloren. So gibt es viele Kugeln für Firmenevents, als Werbung, personalisierte Weihnachtsgeschenke oder für Hochzeiten. In Sabines Augen wird mit jeder Kugel ein kleines Stück Kunst hergestellt. Insbesondere individuelle Kundenanfragen bereiten Sabine eine Freude, wenn sie Ideen in die Realität umsetzen kann.

Muss man professionelle Schneekugelschüttlerin sein, um in der Schneekugelmanufaktur arbeiten zu können?

Welchen Beruf lernt man aber, um Schneekugeln herstellen zu können? Eine richtige Ausbildung mit Lehrabschluss gibt es natürlich nicht. Sabine und auch ihr Vater, Erwin Perzy III., sind beide gelernte Werkzeugbautechniker. Dies sorgt für ein allgemeines Verständnis der Einzelteile und den verschiedenen Schritten, die es braucht, bis eine fertige Schneekugel entsteht. 

Die große Frage ist jedoch, wie man nun eine Schneekugel richtig schüttelt. Auch hier gibt es kein richtig oder falsch, allerdings kann Sabine schon mit dem ein oder anderen Trick aufwarten. Sie schüttelt die Kugel gerne aus dem Handgelenk, wobei wichtig ist, dass der Schnee sich unten aus dem Sockel löst. Sabines Vater dreht die Schneekugel gerne einfach nur auf den Kopf und wartet dann ab. Der Schnee legt sich dann komplett auf die Oberseite der Kugel, dann wird sie mit einer schwungvollen Bewegung umgedreht und es entsteht ein zirkulierender Schneesturm. Tatsächlich gehört eine Schneekugel auch einfach ab und zu geschüttelt, damit der Schnee am Boden nicht zusammenklebt. 

Was der Kaiser mit der Erfindung der Schneekugel zu tun hat und wie die Schneekugelmanufaktur doch noch zum k.u.k. Lieferanten geschafft hat, obwohl es die Monarchie gar nicht mehr gibt, könnt ihr hier nachhören:

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Mehr Infos zur Episode
Original Wiener Schneekugelmanufaktur
Schumanngasse 87
1170 Wien

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