Zu Besuch im Sisi Museum und vieles, das du über die Kaiserin noch nicht wusstest

Was du noch nicht ueber Sisi wusstest Sisi Museum

Wer war Kaiserin Elisabeth wirklich ? Und wie viel Wahrheit steckt in den Romy Schneider Filmen? Michael Wohlfart hat uns auf eine beeindruckende Zeitreise durch das Leben der Kaiserin von Österreich-Ungarn mitgenommen. Er ist Kurator des Sisi Museums und hat so einige Geschichten auf Lager, die ihr so sicher noch nicht kennt.

Gegenstände des Sisi Museum und die Krux mit dem Privatbesitz

Das Sisi Museum in Wien zählt zu den Orten, die bei einem Wien-Besuch unbedingt auf der Liste stehen sollten. Neben dem Schloss Schönbrunn und dem Möbelmuseum, mit ehemaligen Möbeln der Habsburger, kann man Sisi hier hautnah erleben. 

So finden sich dort Kleider, die die Kaiserin selbst getragen hat. Diese stecken auf originalen Kleiderpuppen, die von den Schneidern der Kaiserin verwendet wurden. Jedoch befinden sich viele Gegenstände, die die Kaiserin Elisabeth besessen hat, nach wie vor in Privatbesitz. Dinge, die dem Kaiser oder der Kaiserin gehörten, waren nämlich nicht im Besitz des Kaiserreichs, sondern tatsächlich in Privatbesitz – und wurden somit an die Kinder und Enkelkinder vererbt. Einiges davon wurde bisher noch nicht gefunden und daher auch noch keinem Museum zur Verfügung gestellt.

Zu Michael Wohlfarts Aufgaben als Kurator gehört deshalb auch, Auktionen von historischen Gegenständen im Auge zu behalten. Wenn hier etwas Interessantes auftaucht, wird dies aufgekauft und im Sisi Museum oder in Schloss Schönbrunn integriert. Man kennt jedoch keine Inventarliste vom Besitz von Elisabeth, was diese Aufgabe natürlich erschwert. Nur von Kaiser Franz Joseph I. ist ein Inventar von über 1000 Gegenständen bekannt.

Eben diese Gegenstände verleihen einem Museum einen gewissen Charme. Das Museum ist keineswegs arm an Objekten, die mit der Kaiserin zu tun haben. Rund 400 Ausstellungsstücke gibt es in der Hofburg zu bestaunen, die einem das Leben der Kaiserin nahebringen. Eines der besonderen Stücke ist neben dem blauen Sommerkleid aus der Korfu-Garderobe bestimmt die Kokainspritze aus Sisis Hausapotheke, über die ihr im Podcast mehr erfahren könnt.

Kindheit der Kaiserin Sisi

Über die Kindheit von Elisabeth ist heute nicht viel bekannt. Ein kleiner Raum im Museum beschäftigt sich mit den frühen Jahren in Bayern. Bekannt ist, dass das Verhältnis ihrer Eltern schwierig war und diese keine glückliche Ehe führten. So hatte ihr Vater Herzog Max zwei uneheliche Kinder im herzöglichen Haushalt mit aufwachsen lassen, ganz zum Unwohlsein seiner Frau. Herzog Max kaufte ihr aus schlechtem Gewissen ein eigenes Sommerschloss, das Schloss Possenhofen, wo diese den Sommer mit ihren Kindern verbrachten.

Auch die Erziehung und Bildung überließ Herzog Max ganz der Hand seiner Frau Ludovika. Er befreite die Kinder immer wieder vom Unterricht, um mit ihnen wandern oder reiten zu gehen. Sisi übernahm seine Begeisterung für das Reiten bereits früh. So ließ sie sich, ganz nach dem Vorbild ihres Vaters später eine Reitmanege in Ungarn bauen, die nach dem Vorbild der Manege im Herzog-Max-Palais in München geplant wurde. Sisi führte in dieser Reitmanege vor ausgewähltem Publikum Reitkunststücke vor.

Mit ihrer älteren Schwester Helene hatte sie eine besonders innige Beziehung. Mit ihr sprach sie oft auf Englisch, was sich für die beiden als Geheimsprache entwickelte. Damals war es nicht üblich Englisch zu lernen und auch der Kaiser konnte diese Sprache nicht.

Max und Ludovika verabscheuten die Etikette am Hof und auch die förmliche und enge Kleidung des Königshauses. So war Ludovika meist leger gekleidet und sie hegte engen Kontakt zu den umliegenden Bauern in Possenhofen, und kümmerte sich nicht um Förmlichkeiten. 

Die junge Sisi am kaiserlichen Hof in Wien

Nun war also Franz Joseph im Alter von 22 Jahren auf der Suche nach einer geeigneten Frau und nach Absagen aus dem preußischen Königshaus, vereinbarten seine Mutter Sophie und ihre Schwester Ludovika, ein Treffen in Bad Ischl zwischen Franz Joseph und seinen beiden Cousinen: Helene und Elisabeth. Laut Dokumenten, die von damaligen Augenzeugen verfasst wurden, war es für Franz Joseph Liebe auf den ersten Blick. Auch wenn es gesellschaftspolitisch ein No-Go war, dass er sich nicht für die ältere Schwester Helene entschied, war hier nie eine Hochzeit vereinbart gewesen, wie so manche Darstellung oder Filme es behauptet.

Nach der Hochzeit, litt Sisi sehr an der ungewohnten Umgebung in Wien. Die Etikette und Regeln der höfischen Gesellschaft und die Tatsache, dass sie nur mit sehr viel älteren Menschen Zeit verbringen konnte, machten ihr schwer zu schaffen. So waren die Schwiegereltern etwa 50 Jahre alt und ihre Hofdamen zwischen 50 und 65 Jahre alt. Für sie als 16-jähriges Mädchen war dies eine schwere Zeit. Auch durfte sie selbst von anderen Personen nicht angesprochen werden, sondern sie musste diese ansprechen, da es die Etikette so verlangte.

Ihre Schwiegermutter Sophie, war Sisi wohlgesonnen und versuchte Ausflüge mit jüngeren Frauen zu arrangieren. Ein weiteres Zeugnis der Zuneigung Sophies war das Hochzeitsgeschenk an das junge Kaiserpaar. Zur Sommerfrische im August, ging die Hofgesellschaft jedes Jahr nach Bad Ischl, und das junge Paar sollte hier ein eigenes Domizil erhalten, welches es bis dahin noch nicht gab. So erwarb sie eine Biedermeier-Villa. Der Grundriss der Villa wurde zu einem E umgebaut, angelehnt an den Anfangsbuchstaben der Kaiserin Elisabeth, um ihr die Sympathie der Familie zu zeigen. 

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Das Vermögen des Kaiserpaars und Sisis Reisen

Franz Joseph I. war zum Zeitpunkt der Hochzeit gar nicht so vermögend, wie man sich das heute vorstellt. Er stammte aus einer der weniger vermögenden Linien der Habsburger ab. Es war üblich, dass das Kaiserpaar ein Gehalt bezogen, das aus Steuerabgaben kam.

1875 veränderte sich die Lage jedoch, da der Onkel Franz Josephs, Ex-Kaiser Ferdinand, in Prag verstarb und ihm sein Vermögen vererbt. Als Erstes erhöht Franz Joseph daraufhin das Gehalt (Apanage genannt) der Kaiserin, da er zuvor immer das Gefühl gehabt hatte, ihr nicht genug bieten zu können. Von da an konnte er Elisabeth keinen Wunsch mehr ausschlagen, den er finanziell erfüllen konnte.

Ab dieser Zeit unternimmt Sisi dank des nun vorhandenen Vermögens sehr viele Reisen in die unterschiedlichsten Länder Europas. So wurde ihr erlaubt (und ja, die Einholung einer Erlaubnis war auch für die Kaiserin notwendig) zu den Reitjagden nach England und Irland zu fahren – und auch an diesen teilzunehmen.

Sie verreiste auch gerne mit dem Zug – und zwar mit der Regionalbahn. Von außen waren die Waggons der Kaiserin nicht von den anderen zu unterscheiden. Innen waren diese prunkvoll gestaltet und am neuesten Stand der Technik. Die anderen Passagiere wussten so also nicht, dass die Kaiserin sich gerade im gleichen Zug befindet.

Am liebsten reiste Kaiserin Sisi jedoch mit dem Schiff. Hierfür konnte das Kaiserpaar in Zeiten des Friedens die Yachten der Kriegsmarine verwenden. Insbesondere Griechenland und die Insel Korfu hatte es Kaiserin Elisabeth angetan und sie verbrachte dort viel Zeit. 

Elisabeths Gesundheit und warum sie nicht magersüchtig war!

Neben ihren vielen Reisen wird im Zusammenhang der Kaiserin Elisabeth oft von ihrer angeblichen Magersucht gesprochen. Sie hatte viele gesundheitliche Beschwerden sowie Probleme mit ihrer Verdauung. Vermutlich liegt die Ursache hierfür in der extrem reichhaltigen und häufigen Nahrungsaufnahme, die am Hof eigentlich üblich war: es wurde fünfmal am Tag gegessen! Sisi hingegen ging dazu über, lediglich zu frühstücken und erst gegen 17 Uhr wieder zu essen. Ob sie damals wusste, dass wir das heute Intervall-Fasten nennen würden?

Elisabeth war sich ihrer schlanken Figur bewusst und wollte diese Zeit ihres Lebens bewahren. Sie trieb deshalb Sport und hat ebenfalls ungewöhnlich für diese Zeit, Gymnastik betrieben. Der Bewegungsdrang kam vermutlich auch daher, um ihren Verdauungsproblemen entgegenzuwirken, die sie durch das schwere Essen hatte. 

Ein weiteres Markenzeichen waren ihre langen Haare. Man wusch sie lediglich alle drei Wochen mit einer speziellen Kur aus Ei und Cognac. Für diese Prozedur wurde schonmal ein ganzer Tag reserviert, da es auch lange dauerte ihre dichten Locken anschließend zu trocknen. Frisiert wurden ihre langen Haare von einer Frisörin, die sie aus dem Burgtheater abwarb.

Warum jedoch, führten die Spitznamen der Familie von Kaiserin Elisabeth zu amüsanten Verwechslungen oder hatte Elisabeth selbst immer schon den Kosenamen Sisi? Wie kam es, dass Kaiser Franz Joseph I. und seine Brüder auch als die Salzprinzen bezeichnet wurden? Und was hatte eine Kokainspritze in der Hausapotheke der Kaiserin zu suchen?

All das und weitere spannende Einblicke in das Leben der Kaiserin und das Sisi Museum gibts zum nachhören bei No Kangaroos – Der Österreich Podcast!

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Informationen zur Episode
Sisi Museum in der Hofburg
Michaelerkuppel
1010 Wien